„Weniger ist mehr.“ — Ein Gespräch über Supplement-Minimalismus
Dr. Sarah Holtz über Maximalprinzipien, leere Supplement-Schränke und warum Transparenz wichtiger ist als das Premium-Label.
Wir haben mit Dr. Sarah Holtz gesprochen, Ernährungswissenschaftlerin und ehemalige Beraterin großer Supplement-Hersteller. Ihre These: Die meisten Regale sind zu voll, nicht zu leer.
Was bringen die meisten Menschen mit in deine Praxis?
„Meistens eine Tüte voller Dosen. 8, 10, manchmal 15 verschiedene Supplements. Keine Blutwerte, keine Strategie, nur das Gefühl: mehr ist besser. Der erste Schritt ist oft, 70 % davon wegzulassen."
Warum ist weniger besser?
„Zwei Gründe. Erstens: Wirkstoffe konkurrieren um Transportwege — zu viel Zink blockiert Kupfer, zu viel Calcium blockiert Magnesium. Zweitens: Du verlierst den Überblick, was überhaupt wirkt. Wenn du eine Sache pro Monat änderst, spürst du, was funktioniert. Bei 15 gleichzeitig ist es Kaffeesatz."
Wie sieht dein eigener Supplement-Schrank aus?
„Vitamin D im Winter. Omega-3 zweimal pro Woche, wenn ich keinen Fisch esse. Magnesium, wenn die Beine unruhig werden. Und das war's. Ich verdiene nichts an dem, was ich nicht empfehle — und genau das ist das, was Kund:innen lernen müssen zu erwarten."
Was ist dein größter Kritikpunkt an der Branche?
„Das Geschäftsmodell belohnt Abo, nicht Ergebnis. Du bekommst die gleiche Packung jeden Monat, egal wie sich dein Leben verändert. Das ist der Punkt, an dem es unanständig wird. Gute Empfehlungen sind reversibel — sie sagen dir auch, wann du aufhören kannst."